GEGEN ANTISEMITISMUS – FÜR ISRAEL!

„Die Praxis der ‚Ideologiekritiker*innen‘“ ende „allzu oft in identitärer Abgrenzung“, so Teile der ehemaligen Antifa [f] in ihrer jüngsten „Erklärung zur Neubestimmung von Form und Inhalt einer linksradikalen Gruppe aus [F]rankfurt am Main“. Wie wichtig und richtig Abgrenzungen in Form und Inhalt sind, wenn man es mit Leuten zu tun hat, die gegen Antisemitismus, aber nicht für Israel demonstrieren wollen, zeigte der Verlauf der gestrigen ‚Demonstration gegen Antisemitismus‘ in Frankfurt.

Dort grenzten sich etwa 200 Freunde Israels, die gekommen waren, um zu zeigen, dass es heute kein ernstzunehmendes Engagement gegen den antisemitischen Mob geben kann, wenn es nicht mit einer bedingungslosen Solidarität mit dem jüdischen Staat und seinen militärischen Notwehrmaßnahmen einhergeht, vom antinationalen Blödsinn der antifaschistischen Sprücheklopfer erfreulicherweise in der gebotenen Deutlichkeit ab.

Dass eine Veranstaltung, von der das Schlimmste zu erwarten war, zu einem israelsolidarischen Demonstrationszug umgewandelt werden konnte, ist nicht nur den Freunden Israels zu verdanken, sondern auch einem Großteil der Demobesucher, der sich zumindest an diesem Abend für die Vernunft und gegen die Ideologiekritiker*innen des ums Ganzen entschieden hat, indem man sich weigerte, hinter einem Transparent zu spazieren, auf dem in Bezug auf Israel in miesester deutscher Friedensbewegungstradition vor „Krieg und Besatzung“ gewarnt wurde.

Offenkundig wurde nicht nur, dass es in der Frankfurter Antifaszene nach wie vor möglich ist, offen gegen Israel zu hetzen, oder sich in ähnlich verkommener Weise hinter dem Ruf nach Antinationalismus zu verschanzen. Offenkundig wurde auch, dass es in diesen Bündnissen Leute gibt, die längst keine Lust mehr auf die restlos blamierten Genossen haben, sich aber des lieben Friedens wegen nicht vom linken Szenesumpf lossagen wollen.

Sie müssen sich fragen lassen, wieso es einer Intervention von außen bedurfte, nicht einem Transparent hinterherzulaufen, dessen Forderungen die in den eigenen Redebeiträgen durchaus zu vernehmenden israelsolidarischen Verlautbarungen völlig entwertet und einer linken Bündnispolitik geopfert hätten. Wer sich mit Leuten gemein macht, die im Angesicht des pogromgestimmten Israelhasses, der auf Juden in der ganzen Welt zielt, mit Besatzungstransparenten durch die Gegend stiefeln, ist Teil des Problems. Wer den Antisemitismus ernsthaft kritisieren will, ohne sich als Bündnispartner von unheilbar verblödeten Israelkritikern komplett lächerlich zu machen, hat nur eine Wahl – nämlich „identitäre Abgrenzung“, oder auf Deutsch: Spaltung!

Im Folgenden dokumentieren wir das am gestrigen Abend verteilte Flugblatt eines Genossen, dem für die kurzfristige Bereitstellung gedankt sei.

GEGEN ANTISEMITISMUS – FÜR ISRAEL!

Unter dem Motto „Kein Platz für Antisemitismus! Solidarität mit den Betroffenen“ findet heute, am 04. August 2014, eine Demonstration auf dem Frankfurter Opernplatz statt. Bei den Organisatoren der Demonstration handelt es sich um die neu gegründete Initiative gegen Antisemitismus, laut Eigenaussage bestehend aus der Antifaschistischen Gruppe Frankfurt, Teilen der Gruppe Kritik&Praxis Frankfurt, der Antifa Kritik & Klassenkampf und Einzelpersonen.

Im Aufruf zur heutigen Demonstration geben die Veranstalter zunächst im Stil von Eilmeldungen einige der antisemitischen Vorfälle der vergangenen Wochen durch: „Versuchter Brandanschlag auf eine Synagoge in Wuppertal, Angriff auf ein jüdisches Paar in Berlin, antisemitische Parolen auf Demonstrationen“ usw. Dass die antisemitischen Parolen („Kindermörder“, „Frauenmörder“ etc.) in den meisten Fällen Bezug auf Israel nehmen, ist bekannt, spielt für die Veranstalter aber keine Rolle. Denn eine eindeutige Solidaritätserklärung mit dem jüdischen Staat verbieten sie sich. Sie schreiben: „Wir haben unterschiedliche Positionen zum Nahostkonflikt, aber was uns eint ist die konsequente Ablehnung des Antisemitismus.“ – die konsequente Ablehnung des Antisemitismus müsste aber die Ablehnung seiner gegenwärtig aggressivsten Gestalt, dem Krieg gegen Israel, voraussetzen und damit verbunden die Einsicht in die Notwendigkeit der Selbstverteidigung des jüdischen Staates. Die Veranstalter wünschen sich aber offenbar, dass sich ein breites Bündnis aus Israelfreunden und –gegnern zusammentut, um wenigstens gegen die gewalttätigen „Auswüchse“ des Antisemitismus zu demonstrieren. Die judenfeindlichen Exzesse der letzten Zeit sind aber vom Hass auf Israel nicht zu trennen. Weil der Hass den Juden als Nation gilt, ist jeder Jude potentielles Ziel des antizionistischen Furors. Und weil Israel und seine Armee die einzigen sind, die den bedrohten Juden weltweit Schutz und Verteidigung anbieten, ist die bedingungslose Solidarität mit Israel notwendiger Bestandteil des Kampfes gegen Antisemitismus.

Bemäntelt von Vokabeln wie „Israelkritik“ ist Antisemitismus in den letzten Jahrzehnten wieder gesellschaftlich satisfaktionsfähig geworden. Vergleichsweise neu ist, dass als Friedensdemos getarnte antisemitische Aufmärsche mit aktiver Unterstützung der deutschen Polizei durchgeführt und spontane Solidaritätsbekundungen von Israelfreunden zum Teil gewaltsam aufgelöst werden. Aber allzu offener Antisemitismus, der das Wort „Jude“ im Mund führt, wird nichtsdestotrotz medial skandalisiert und auch von muslimischer Seite gibt es Aufforderungen, zwischen Juden und Zionisten zu differenzieren. Dank eines von taz, Süddeutsche Zeitung und Tintenklecksern wie Günter Grass geschaffenen anti-israelischen Konsenses trauen sich die Ratten jetzt zwar aus den Löchern, werden aber immer öfter zurückgerufen und an die offiziellen Sprachregelungen gemahnt: Israelkritik ja, Antisemitismus nein. Diese Formel scheint auch Leitfaden für die heutige Demonstration zu sein, sonst hätten die Veranstalter nicht einen Aufruf verfasst, der „unterschiedliche Positionen“ willkommen heißt und der deswegen locker in der Lage wäre, den Großteil der israelsolidarischen Juden und Nicht-Juden Frankfurts zu vergraulen. Es stand schließlich zu befürchten, dass die selben friedensbewegten linken Antizionisten, die vor kurzem noch auf der Zeil zusammen mit Islamisten und arabischen Nationalisten gegen den „Kindermörder Israel“ demonstriert haben, heute hier ihren Abscheu vor antisemitischen Grenzüberschreitungen kund tun wollen, um so eine weiße Weste zu bekommen. „Gegen Zionismus und Antisemitismus“ war auch das Motto der schiitisch-islamistischen Al Quds-Demonstration in Berlin. Linke und Islamisten beweisen, dass mit der billigen Absage an den alten Antisemitismus nichts gesagt und nichts getan ist gegen die Israelfeindschaft, hinter der sich der ordinäre Judenhass verbirgt und die gesamtgesellschaftlich gepflegt wird.

Die Veranstalter fordern in ihrem Aufruf Solidarität mit den Betroffenen, „egal ob Hass auf Jüdinnen und Juden von Nazis, IslamistInnen oder sonstwem ausgeht“ – bei „sonstwem“ handelt es sich natürlich um Linke und Linksradikale, die in den vergangenen Wochen hetzerische Demonstrationen veranstaltet oder daran teilgenommen haben. Die Veranstalter weigern sich aber den linken Antisemitismus beim Namen zu nennen, denn sonst würden sich die linken Genossen mit ihren „unterschiedlichen Positionen zum Nahostkonflikt“ vielleicht auf der Demo nicht mehr willkommen fühlen. Um eine große Masse zu mobilisieren, opfern die Veranstalter nicht nur die Israelsolidarität, sondern stellen die Solidarität mit den linken Antizionisten, die sie decken, indem sie von ihnen schweigen, über die Solidarität mit den Opfern des Antisemitismus: den Juden, denen diese Demonstration doch angeblich dienen soll – die aber von mehreren jüdischen Aktivisten vor der heutigen Veranstaltung gewarnt wurden, weil Antizionisten offenbar ebenso willkommen sind und es mehr um das linke Gemeinschaftsgefühl und die Gewissensberuhigung zu gehen scheint.

Wir sind heute trotzdem hier, um einen hoffentlich deutlichen Kontrapunkt zu den linken Veranstaltern und ihrer Unparteilichkeit im Nahostkonflikt zu setzen. Wir fordern gleichermaßen gegen Antisemitismus, Antizionismus und so genannte legitime Israelkritik anzugehen!

Auf Facebook wurde angekündigt, dass heute auch „antinationale“ Reden gehalten werden sollen. Aber wenn es um Israel geht, dann ist „antinational“ nur eine Chiffre für „antizionistisch“. Der Antinationalismus in der deutschen Linken hat sich stets als Abwehrhaltung gegen die bedingungslose Israelsolidarität verstanden. Nicht zufällig werden Nationalfahnen-Verbote auf vielen linken Demonstrationen erst ausgesprochen, seitdem Kommunisten und andere Linke auch Israel-Fahnen mit sich führen. Die antinationale Linke, die jeden Nationalstaat unterschiedslos verdammt und damit eine scheinbar äquidistante Haltung in allen kriegerischen Auseinandersetzungen einnimmt, bestreitet die Notwendigkeit des Staates Israel und seiner Verteidigungsmaßnahmen. Sollte das heute während einer der Reden geschehen, muss allen klar sein, wo der Feind steht. Wer sich künftig an Aktionen gegen Antisemitismus und für Israel beteiligen will, kann an der heutigen Demonstration und ihren Veranstaltern jedenfalls lernen, wie man es nicht zu machen hat.